Weidetiere und Wölfe – ein friedliches Nebeneinander? Update

Weidehaltung im Jagdbereich eines Wolfsrudels.

Auch für Pferde auf einer Koppel kann durch ein Wolfsrudel Gefahr ausgehen. DNA-Proben an zwei getöteten Pferden in Niedersachsen weisen eindeutig die Speichelspuren von zwei Tieren aus dem Rodewalder Rudel nach. Dieses Rudel wird von einem Rüden geführt, der eine Technik zur Überwindung von Zäunen entwickelt hat und seinen Nachkommen die Jagdtechnik zur Erbeutung großer Huftiere weitergeben wird. (Quelle: Proplanta Nachrichten vom 27.6.2020)

Lange galt es als eher unwahrscheinlich, dass Wölfe – auch in Rudeln – Weidepferde angreifen und Erfolg haben. Dies nicht zuletzt deshalb, da Raubwild stets die leichteste Beute sucht und Gefahren durch zu wehrhafte Tiere vermeidet.

Nun wurde nachgewiesen, dass bei einem Angriff des Rodewalder Rudels zwei Pferde gerissen wurden, ein weiteres wurde schwer verletzt. Der Leitwolf des Rudels wird als “Problemwolf” eingestuft, da er Schutzzäune überwindet und bereits mehrere Rinder gerissen hat. Die Technik große Tiere zu erbeuten wird er an seine Nachkommen weitergeben.
Damit wird das Konflikpotential zwischen den unterschiedlichen Einstellungen zur Rückkehr des Wolfes nach Deutschland weiter gesteigert werden.

Nach Angaben der für die Wolfsbeobachtung in Niedersachsen zuständigen Landesjägerschaft existieren derzeit 25 nachgewiesene Rudel. Mit Welpen und Einzeltieren dürften damit mehr als 350 Wölfe im Land leben. Laut dem Bundesamt für Naturschutz leben Stand Ende 2019 mittlerweile 105 Wolfsrudel in Deutschland, die Gesamtzahl der Tiere wird auf ca. 1.300 geschätzt. Neben den Rudeln, welche eher in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachen zu finden sind, wurden in anderen Bundesländern eher Einzeltiere gesichtet. Allerdings wird vermehrt die Bildung von Paaren beobachtet, was zu späteren Rudeln führen wird. Diese stellen ein völlig anderes Gefahrenpotenial dar. Insofern muss rechtzeitig über die Strategien nachgedacht werden.

Der Wolf auf dem Bild wurde im Yellowstone Nationalpark aufgenomen. Dort herrschen völlig andere Verhältnisse, als im dichtbesiedelten Bundesgebiet. Aber auch dort hat sich gezeigt, dass ein Tiermanagement erforderlich ist, um ein Gleichgewicht zwischen den einzelnen Lebewesen im Park zu erhalten. Ähnliches wird hier in Deutschland erfolgen müssen, denn sonst dürften die Weidetiere in Zukunft einen schweren Stand haben.

Update:

Am 30. Oktober 2020 hat das BfN die Ergebnisse des Monitoringjahres 2019/2020 veröffentlicht. Danach hat sich die Zahl der Rudel auf 128 erhöht. Zusätzlich wurden 35 Wolfspaare sowie 10 territoriale Einzeltiere aufgelistet. Nach Ansicht des DJV ist darin die Zahl der Jungwölfe aus dem Frühjahr 2020 nicht enthalten. Nach Angaben des offiziellen Dokumentationsstelle für Wölfe liegt derzeit die Vermehrungsrate des Wolfes bei über 35 Prozent. Auf der Basis dieser Erkenntnisse wird die Zahl der Wölfe auf rund 1.800 geschätzt.

Die Frage nach einer Strategie den Wolfsbestand zu managen wird immer lautern. Im Vergleich zu Deutschland haben die Nachbarländer wie z.B. Frankreich niedigere Untergrenzen. Dort sind 500 Individuen als Untergrenze eines günstigen Erhaltungszustandes festgelegt.